Guten Morgen lieber Benjamin, lieber Gianluca, ihr seid gerade mit eurem Regionalliga-Team in einer spannenden Saisonphase (Kampf um den Klassenerhalt). Danke euch, dass ihr euch dennoch die Zeit für unser Interview nehmt.

Starten wir gleich mit der ersten Frage: Könnt ihr euch bitte kurz einmal persönlich vorstellen und uns eure Position und Rolle bei RW Ahlen kurz skizzieren?

Benjamin: Guten Morgen, vielen Dank für die Einladung zu diesem Doppel-Interview. Gerne stellen wir uns kurz vor. Gemeinsam mit meinen Kollegen (Herrn Marcel Gruschka, Herrn Jörn Fligg und Herrn Florian Pick) leite ich die Geschicke des RWA eSports Teams. Seit Herbst 2020 sind wir fester Bestandteil der RWA Familie und im Bereich FIFA Fußball (PS4) aktiv. Wir vertreten die Rot Weißen Farben „virtuell“ und kümmern uns vollständig um die Mannschaft (auf und neben dem Platz/der Spielekonsole). Mittlerweile habe ich das 33te Lebensjahr erreicht und habe weiterhin große Freude an der Arbeit mit der Gaming- und E-Sport-Community.

Gianluca: Guten Morgen zusammen, ich schließe mich den Worten von Benjamin an. Vielen Dank für die Einladung. Ich heiße Gianluca Marzullo und bin 30 Jahre jung. Derzeit bin ich Stürmer in der Regionalliga-West und natürlich für Rot Weiss Ahlen aktiv. Von 2015 bis 2017 war ich schon einmal für RWA auf Torejagd. Seit dieser Saison/der Winterpause bin ich wieder Bestandteil unserer Wersekicker-Mannschaft. Unser Ziel ist der Klassenerhalt und hoffentlich, können wir diesen zeitnah gemeinsam feiern.

Schon in der Vergangenheit hatte Gianluca sein eigenes Pro Clubs Team

Jetzt reden wir heute ja über den eFootball. Welche Berührungspunkte bestehen da für dich? Seit wann spielst du FIFA an der Konsole?

Gianluca: Als kleiner Junge hatte ich die ersten Berührungspunkte mit „FIFA Soccer 95“ an der Sega Spielekonsole. Im Verlauf der letzten Jahre bin ich dem FIFA Spieletitel treu geblieben. Mit einigen Freunden (aus meiner damaligen Zeit in Leverkusen) haben wir ca. 2015 sogar unsere erste Pro Clubs Mannschaft „Crew 1904“ gegründet. Bis heute ist unser Freundeskreis nicht nur vor der Konsole, sondern auch auf dem virtuellen Rasen aktiv.

Wie kam dein Engagement mit RW Ahlen eSports zustande?

Gianluca: Letztendlich kam mein Engagement bei RW Ahlen eSports durch Benjamin zustande. Die Mannschaft hat ihre Pforten für alle interessierten Vereinsmitglieder/Spieler und Verantwortliche geöffnet. Jeder kann sich quasi ein Bild von der Arbeit unserer „virtuellen Profis“ machen. Da die Spielekonsole, bzw. der FIFA Spieletitel für mich kein Neuland ist, bin ich einfach dieser Einladung gefolgt. Das ich mittlerweile selbst einen Platz im Kader einnehmen konnte, finde ich persönlich total cool. Zwar werde ich dem Team nicht bei allen Ligaspielen zur Verfügung stehen, aber sollte es sich zeitlich einrichten lassen, unterstütze ich unsere „Konsoleros“ sehr gerne.

Elf gegen Elf – die Spiele sorgen für Spannung und machen Spaß

Ihr habt ja bei RW Ahlen mit dem Pro Clubs Team eine sehr engagierte Mannschaft, welche den eFootball als Mannschaftssport regelrecht vorlebt und gleichzeitig auch die Entwicklungen dieses Spielmodus mitgestaltet. Wie bewertest du den Pro Clubs Spielmodus in Bezug auf Spielspaß, Leistungsfähigkeit und Ernsthaftigkeit?

Gianluca: Der Pro Clubs Spielmodus ist abwechslungsreich, gerade weil du mit 11 Mann (individuell) auftrittst. Die Matches sorgen jederzeit für viel Spannung und vor allem Spaß. Wobei auch die Leistung und gerade die Ernsthaftigkeit auf dem virtuellen Grün stimmen muss. Die Entwicklung des Spielmodus empfinde ich als sehr gut und attraktiv. Nur legt der Spielentwickler den Fokus der FIFA-Serie zu sehr auf Ultimate Team. Vielleicht wird der Pro Clubs Modus in naher Zukunft (durch die Entwickler) etwas mehr gefördert. Denn allgemein wird schon eine breite Masse an interessierten Spielern – bei Pro Clubs – abgeholt. Generell ist die Faszination am 11 vs. 11 Spielmodus vorhanden.

„Selbst das Medieninteresse an Pro Clubs wächst…“

Kann man das Thema eFootball/E-Sport bei Rot Weiss Ahlen als „wichtig“ betiteln?

Benjamin: Ja, schließlich hat sich RWA bewusst für die Integration einer vollständigen eFootball Abteilung im Vereinsleben entschieden. Dies zeigt auch unser (nahezu) täglicher Austausch. Wir sind nicht nur mit Verantwortlichen vernetzt, sondern auch mit Spielern, allen weiteren Abteilungen, sowie eFootball/E-Sport-Interessierten.
Generell darf man nicht außer Acht lassen, dass sich der eFootball/E-Sport in einer sehr interessanten Entwicklungsphase befindet. Die Digitalisierung schreitet voran, die Online-Wettbewerbe werden strukturierter und professioneller und selbst das Medieninteresse am Pro Clubs Spielmodus wächst. Daher liegt es nun an uns, sowie den Vereinen, diese Entwicklung/diesen Fortschritt weiter voranzutreiben.

„Andere E-Sport-Titel sind schon weiter…“

Siehst du den eFootball im Nachteil zu anderen großen E-Sports-Titeln wie League of Legends oder DOTA2 (in Bezug auf die Gewinnung der jugendlichen Generation)?

Benjamin: Ich sehe nicht zwingend ein Problem bei der Gewinnung von neuen Spielern. Vielmehr ist es die nationale/internationale Vermarktung des eFootball durch EA Sports. Hier sind die Entwickler von League of Legends und DOTA2 unseren Kollegen von EA Sports mehr als nur eine Nasenspitze voraus.

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Warum glaubt ihr, nach euren Erfahrungen, hat der eFootball als Mannschaftssport in Deutschland bisher noch nicht einen so hohen Stellenwert, wie es beispielsweise andere Spielformen von FIFA21 haben?

Benjamin: In einem früheren Interview habe ich schon einmal gesagt, dass die nicht vorhandene Berichterstattung ein ganz großes Problem für den Pro Clubs Spielmodus ist. Man muss deutlich „mehr“ über die Wettbewerbe, sowie die Mannschaften berichten.

Wenn du als Spieler ins Stadion einläufst, Fans dir zujubeln, die das entscheidende Tor schießt oder mit einer Rettungsaktion das Gegentor verhinderst – dann sind das pure Emotionen, und dann findet in der Regel auch direkter Körperkontakt mit deinen Mitspielern statt. Im digitalen Fußball ist das nicht so: Fehlt da was?

Gianluca: Als Spieler ist es eine feine Sache, wenn du nach einem erzielten Treffer mit den Fans und Mitspielern jubeln kannst. Natürlich herrscht in der PSN Party (nach einem Torerfolg) auch eine emotionale Stimmung. Doch der Unterschied vom „echten“ zum „virtuellen“ Sport ist vorhanden. Ich würde jedoch nicht sagen, dass hier (im Vergleich: eFootball zum realen Fußball) etwas fehlt. Dennoch muss ich sagen, dass man hier das Umfeld, bzw. die Situation „im“ Stadion, mit der Situation „an der Konsole“ nicht vergleichbar ist.

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„Fußball ist Mannschaftssport – egal ob auf der Konsole oder dem echten Grün“

Was macht dennoch den Reiz des eFootballs im Team für dich aus?

Gianluca: Fußball ist ein Mannschaftssport! Egal ob an der Konsole oder auf dem echten Grün. Der Zusammenhalt, sowie das gemeinsame Ziel machen den Reiz aus.

Schauen wir mal fünf Jahre in die Zukunft: Welchen Stellenwert hat der eFootball als Teamsport für euch in Ahlen?

Benjamin: Diese Frage kann ich nur schwer beantworten, da der E-Sport sehr schnelllebig ist. Ich kann mir vorstellen, dass wir in fünf Jahren einen E-Sport Dachverband haben, klarere Strukturen bei Online-Ligen und ein eindeutiges Transferwesen. Vielleicht sogar Lizenzspieler und weitere Profiabteilungen (u. a. mit großen Vereinen, welche wir aus der 1. und 2. Bundesliga kennen). In Ahlen haben wir möglicherweise eine zweite Mannschaft/ein Rookie-Team und vielleicht weitere E-Sport Teams, die möglicherweise in Rennspielen oder weiteren Online-Spielen aktiv sind.

Gibt es darüber hinaus noch Dinge, die euch im Kontext des eFootball als Mannschaftssport wichtig zu erwähnen sind?

Benjamin: Ich möchte an dieser Stelle die Punkte Geduld und Beständigkeit noch ansprechen. Gerade im Mannschaftssport muss man einige Niederlagen verkraften. Aber diese Niederlagen lassen einen stärker werden. Wir erleben im virtuellen Wettkampf viele Teamauflösungen… hier wäre es wünschenswert, wenn die Clubs nicht nur auf den schnellen Erfolg aus wären. In der Ruhe liegt die Kraft.

Vielen Dank für dieses spannende Interview!

Wir wünschen euch viel Erfolg auf eurem weiteren Weg und werden diesen, sowohl in der Regionalliga (West) als auch im eFootball natürlich weiterverfolgen.