Wie viele Pro Clubs (11vs11) Spieler, komme auch ich vom 1vs1 bzw. 2vs2 – sprich von FIFA Ultimate Team her. Zwischen 2016 – 2020 besuchte ich viele Offline-Turniere. Ich kenne wenige, die direkt mit dem Pro Clubs Modus starteten. Von Vorteil ist, wenn du bereits eine gewisse Mechanik des Spiels kennen gelernt hast, damit du in Pro Club bestehen kannst. Der große und auch wichtigere Teil, nämlich das Teamplay und die Spielweise, lernst du erst, wenn du 11vs11 spielst. Denn jeder hat seine Position so gut wie möglich auszuführen.

Die Schweiz hat mehr Pro Club Spieler, als man auf den ersten Blick vermutet

Bekannte Schweizer Gesichter bewegen sich als eSportler im 1vs1 bei deutschen Bundesligisten. Genau gleich ist es im Pro Club. Viele Schweizer sind Teil eines deutschen Vereins. Viele andere Spieler sehen – berechtigt – eher eine Chance, im Ausland in bekannten und hohen Ligen zu spielen. Auch die Anzahl der Vereine ist rar gesät. Ich vermute, in der französisch-sprechenden Schweiz gibt es den einen oder anderen 11vs11 Pro Club, welcher kompetitiv spielt. Natürlich gibt es sicherlich einige – wenn nicht viele – sogenannte «Fun Pro Clubs», welche nicht in einer offiziellen Pro Club Liga spielen, sondern sich ihre Gegner in EA Ligaspielen suchen und dort die Liga 1 anstreben.

In der Liga der ProLeague spielen lediglich zwei Vereine, welche ihre Herkunft offiziell in der Schweiz haben. Basel United & The Insurance Goal. Zweitere betreue ich als Co-Founder, Manager & Spieler. Im Vergleich zu Deutschland gibt es in der Schweiz noch keine offiziellen bzw. realen Vereine, welche den Pro Club aktiv mitprägen. Es wäre zu wünschen, dass sich die etablierten Vereine aus der Schweizer Super League (deutsche 1. Bundesliga) ein Beispiel am FC St. Pauli oder Alemannia Aachen nehmen. Einige haben bereits ein paar eine eSport-Abteilung. Leider ohne Fokus auf 11vs11.

Bekanntheit / Umsetzungen in der Schweiz

Im Bereich 1vs1 & 2vs2 gibt es nationale Wettbewerbe, welche Offline- wie auch Online durchgeführt werden, zudem lässt sich eine gewisse mediale Präsenz durch bekannte Newsportale vorfinden. Auch werden Preisgelder ausbezahlt. Im Einzelsport funktionierts. Ich bin überzeugt, dass dies auch im 11vs11 funktioniert. Ein Schweizer Turnierveranstalter hat es dieses Jahr bereits bewiesen und führte eine 11vs11 Online-Turnier auf die Beine. 14 Teams aus der CH, DE, AUT & ESP nahmen teil.

Stellt man sich vor, dass sich 11 Spieler in einer Arena – mit 200 Sitzplätzen für Zuschauer – treffen, oder alle sich im selben Raum aufhalten & das ganze kommentiert & gestreamt wird. Die Emotionen für den Fan wären sicherlich riesig. Dafür benötigt man natürlich finanzielle Hilfen. Um diese zu erreichen, braucht’s Aufklärung, Zeit und Ressourcen.

Ligen, Ligen und nochmals Ligen

Mein Pro Club Abenteuer begann bereits mit FIFA 17. Damals noch als Fun Club mit dem FC Alu Treffer. Real Life Freunde – ca. 7-8 Stk. – trafen sich durchschnittlich 2-3x pro Woche am Abend um etwas zu zocken und «die Kugel laufen zu lassen», schöne Spielzüge durchzuführen, geniale Tore zu erzielen & einfach Spaß zu haben. Über einen Zufall bekamen wir dann erst mit, dass es kompetitive Ligen für digitalen Fußball 11vs11 gibt. The Insurance Goal wurde am 03.01.19 gegründet. Grundidee war eine Streaming-Plattform für FIFA. Von diesem Projekt haben wir uns ein halbes Jahr später verabschiedet.

Am 06. Juni 2019 war es dann so weit. The Insurance Goal Pro Club war gegründet. Die Suche nach passenden Spielern wurde gestartet, wir hatten genaue Vorstellungen, weil wir überzeugt waren, dass wir nur mit loyalen Spielern bestehen können. Vor gut einem Jahr sind wir der ProLeague beigetreten und haben 20 Mitglieder (aus CH, DE, AUT, GB) im Verein. Wir haben uns bewusst für diese Liga entschieden. Wir hätten uns wohl für 4 oder 5 weitere entscheiden können, aber die ProLeague wirkte sehr passend. Spaß mit einer gewissen Ernsthaftigkeit ist nach wie vor unser Motto. Dies sahen wir auch in dieser Liga und wurden nicht enttäuscht. Der Einstieg fiel uns sehr leicht, der Support seitens der Admins ließ keine Wünsche offen. Gestartet sind wir in der Liga 5a. Mittlerweile durften wir 3 Aufstiege feiern und befinden uns aktuell in der ProLeague Liga 2. Zusätzlich sind wir der internationalen Alpen League beigetreten, bei der wir uns mit Teams aus ganz Europa messen können. Auch hier bietet die ProLeague die administrative Plattform. Die «Alpen League» – der kleine Bruder der «European Premier» – in dieser Liga spielen nur Vereine gegeneinander, welche es im realen Fußball gibt.

Einheit schaffen

Ich persönliche denke, dass es sinnvoll wäre, dass sich die Community findet, damit weniger Ligen angeboten werden und so auch für einen Außenstehenden nachvollziehbar ist, wie das ganze System funktioniert. Nur so kann die Bekanntheit gesteigert und Aufklärung betrieben werden.

Dasselbe betrifft die vielen internationalen Ligen, welche jährlich WM’s & EM’s austragen. Mit der Schweizer Nationalmannschaft, welche ich betreue (wir sind bei der VPG & ITFA, die restlichen absolvieren die französisch-sprechenden Spieler), dürfen wir uns mit anderen Nationen messen. Dem Außenstehenden ist es sehr schwierig zu erklären, dass es verschiedene Weltmeisterschaften gibt. Es ist zu wünschen, dass sich auch das einmal vereinheitlicht. Vielleicht wären dann die offiziellen Verbände auch offener gegenüber dieser Thematik? Immerhin stellen sie schon Einzelspieler, welche das Land vertreten dürfen, bei internationalen Wettbewerben.

Was kann die Community tun?

Es wäre schön zu sehen, wenn sich weniger Vereine auflösen bzw. Spieler (zu) schnell den Club wechseln, damit eine Beständigkeit sichtbar wird. Schlussendlich mögen wir alle denselben Modus. Anstand, Respekt & Unterstützung sollte an der Tagesordnung sein. Die Championship der ProLeague – vertreten mit 18 deutschen Vereinen, welche es auch in echt gibt – zeigen, dass es in eine erfolgsversprechende Richtung geht!

Das Thema mit dem Vorurteil

Ich denke, ich spreche vielen aus dem Herzen, wenn ich sage, dass man sich teils «rechtfertigen» muss, dass man spielt. Das Klischee vom Gamer, welcher stundenlang vor seinem Bildschirm sitzt und in seiner eigenen Welt lebt … und dann sitzt man z.B. mit der Freundin oder Freunden bei Bekannten und erzählt, dass man mit 10 anderen Leuten digitalen Fußball spielt. Versucht zu erklären, was das alles mit sich bringt, damit externe Leute verstehen, dass es nicht nur «zocken» ist. Es ist taktisches Verständnis nötig, eine gewisse Fitness und mentale Verfassung, sowie Sozialkompetenz. Daneben werden in meinem Fall weitere Aufgaben erfüllt, wie z.B. Videoanalyse von vergangenen Spielen, Spielercoaching, Social Media Präsenz und diverse organisatorische / administrative Aufgaben, um nur einige zu nennen. Ich denke, man ist sehr weit davon entfernt, dass man einfach ein Spiel spielt. Viele Spieler haben eine Leidenschaft für Fußball, spielen oft selbst noch in einem realen Verein, wollen zusammen im digitalen Fußball Spaß haben, Erfolge feiern, für eine Vision kämpfen, damit der 11vs11 Modus weiterwachsen kann und etabliert wird. Dieser Modus hat es definitiv verdient.

Geschrieben von Marco Moser