Die neu gegründete European Super League sorgt momentan für ein großes Aufsehen … Wir fragen uns: Was ist das? Und was sagt die Community dazu?

 „Die großen Vereine aus Spanien, England und Italien müssen eine Lösung finden für die Probleme finden, unter denen der Fußball momentan leidet. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen eine Super League zu kreieren, anstatt unter der Woche die Champions League zu spielen, um so verlorene Umsätze zu lindern.“ – 18.04.2021, Florentino Perez, Präsident von Real Madrid und erster Vorstandsvorsitzender der European Super League (ESL).

 Mit diesem Statement und einer zeitgleichen Meldung der ESL zur offiziellen Gründung wurde das Thema, welches jeden Fußball-Fan spätestens seit dem „Football Leaks“ -Skandal (2018) beschäftigt, nun zur Realität.

Die ersten zwölf Gründungsmitglieder stehen mit dem AC Milan, Atletico Madrid, Arsenal, Barcelona, Chelsea, Inter Milan, Juventus, Liverpool, Manchester City, Manchester United, Real Madrid und Tottenham Hotspur bereits fest. Es sollen zudem noch drei weitere Gründungsmitglieder folgen, sowie fünf Mannschaften, welche ihren Startplatz durch eine sportliche Qualifizierung sichern können.

 ESL Format

 

Laut den Ankündigungen der ESL soll die neu formierte Liga diese jedes Jahr im August beginnen, wobei die Eröffnungssaison so bald wie möglich beginnen soll!

Die 20-Team Liga würde dann in zwei Zehner Gruppen aufgeteilt werden, wo dann alle Teams sowohl daheim als auch auswärts aufeinandertreffen würden.

Die Top-3 Mannschaften der jeweiligen Gruppe würden sich direkt für das Viertelfinale qualifizieren, wobei die übrigbleibenden zwei Viertelfinalplätze zwischen den vier- und fünftplatzierten Teams beider Gruppen in einem Hin- und Rückspiel-Format ausgespielt werden.

Ab dem Viertelfinale wäre es dann dasselbe Format wie in der Champions League und auch das Finale soll, wie in der CL, an einem neutralen Veranstaltungsort ausgetragen werden.

Momentan bestehen noch viele Spekulationen, wer potenziell die letzten drei Gründungslücken füllen wird. Einige heiß-gehandelten Vereine haben bereits eine Absage erteilt. Die ESL wird voraussichtlich ohne deutsche Beteiligung stattfinden, denn sowohl der FC Bayern als auch Borussia Dortmund und RB Leipzig haben sich offiziell gegen eine Super League und für die geplante Champions League Reformierung (2024) ausgesprochen. Auch der FC Porto, welcher als portugiesischer Vertreter gehandelt wurde, hat sich gegen eine Teilnahme entschlossen. Dies tat auch Paris Saint-Germain, zur Überraschung vieler Fans und Experten. Beachtenswert ist es jedoch, dass Nasser-Al-Khelaifi, Chef von Qatar Sports Investments (die Firma, welche PSG besitzt und betreibt) einen Sitz im Exekutivkomitee der UEFA hat. Womöglich möchte er die Macht, welche ihm mit dieser Position zusteht, nicht aufs Spiel setzen.

 

„Die Geburt der ESL kennzeichnet den Tod des Fußballs“

 

Dies und noch viel mehr hörte man aus Italien am Sonntagabend. Auch die La Liga (Spanien) gab sich sauer: „Ein eigennütziger, egoistischer Vorschlag, welcher nur die Taschen der bereits Super-Reichen stopft!“

Doch nicht nur nationale Dachverbände und heiß gehandelte Vereine sprachen sich klar gegen die ESL aus. Auch andere betroffene, wie Sassuolo Geschäftsführer Giovanni Carnevali sagt: „Die Pläne gefährden die Existenz unserer Liga!“

Darüber hinaus findet das Thema auch schon in der Politik seine Aufmerksamkeit. Sowohl Mario Draghi, Premier Minister Italiens, als auch Boris Johnson (Vereinigtes Königreich) und Emmanuel Macron (Frankreich) haben sich gegen eine mögliche Super League ausgesprochen und befürworten unparteiische Aufsichtsbehörden, welche regulierend eingreifen. Zudem wollen sie den nationalen Wettbewerb sowie dementsprechende leistungsorientierte Werte und die soziale Funktion des Sportes nicht verlieren.

 Weiterhin sprechen sich auch die größten Dachverbände des Fußballs; die UEFA und die FIFA gegen das vorliegende Projekt aus. Die FIFA droht mit Ausschlüssen der beteiligten Spieler und Vereinen an Wettbewerben der FIFA, welches natürlich auch für Europa- und Weltmeisterschaften gilt. Gleiches tat die UEFA, welche bereits bis kommenden Freitag den betroffenen Gründungsmitgliedern mit dem Ausschluss aus der laufenden CL-Saison droht.

 Jamie Carragher sagte in der „Monday Night Football Show”, er sei nicht der Meinung, dass die Vereine hierfür verantwortlich sind, sondern eher die leitenden Gesellschafter hinter den Vereinen. Namentlich erwähnt er Stan Kroenke (Arsenal), John Henry (Liverpool), Roman Abramovich (Chelsea), Daniel Levy (Tottenham), Scheich Mansour (Manchester City) und Joel Glazer (Manchester United). Dies seien die Hauptdarsteller der ESL, oder wie Eurosport berichtet: „Die Henker des Europapokals“.

 Die Meinung Carragher‘s bestätigte Jürgen Klopp indirekt im Interview vor der Partie gegen Leeds United am Montagabend. Hier sagte er, er habe nichts von den Entscheidungen gewusst, und weder er noch die Spieler waren Teil des Entscheidungsprozesses.

 Und genau diese Intransparenz und das Mangeln an Solidarität in einer Zeit, wo die Gesellschaft zusammenrücken sollte, anstatt noch weiter auseinander, wird auch von Fans aus allen Ecken Europas und darüber hinaus lamentiert.

 

 Bilder wie diese kursieren seit Sonntag durchs Netz:

Auch der esport-manager hat nach euren Meinungen gefragt. Ihr habt euch zahlreich im Konsens gegen eine Super League ausgesprochen. Einige User stellen sich auch schon konkrete Maßnahmen gegen die mitwirkenden Vereine vor. Maßnahmen wie, „Alle Vereine sollten aus ihren heimischen Ligen ausgeschlossen werden“, „sämtliche Titel sollten aberkannt werden“ und „sollten diese Mannschaften doch wieder ihren heimischen Ligen beitreten, sollten sie ganz Unten anfangen“. 

 Wir persönlich sind auch der Meinung, dass die sogenannten „Top-Klubs“ mit ihrem mächtigen Standing die UEFA aushebeln wollen, um einen finanziell zukunftssicheren und nicht leistungsorientierten Wettbewerb aufzuziehen. Doch was diesen Sport treibt und was diesen Sport zum beliebtesten Sport aller Zeiten gemacht hat, sind eben diese Underdog-Stories, die Leicester Citys und Ajax Amsterdams, die Davids und eben nicht die Goliaths dieser Welt. Geschichten, welche unter den gegebenen Regeln und Vorschriften zwar unwahrscheinlich, aber möglich sind.

Es wirkt so, als würden die „Top-Klubs“ eine Anspruchsberechtigung auf finanzielle Versicherungen suggerieren.

 Doch wenn man sich die Konstellation der Gründungsmitglieder genauer anschaut, könnte und sollte man auch die Betitelung „Top-Klub“ hinterfragen. Natürlich hat jeder der zwölf Vereine einen mächtigen sozialen und finanziellen Stellenwert, doch auf der europäischen Bühne konnten sich viele noch nicht sportlich behaupten. Manchester City, Arsenal und Tottenham haben noch nie einen europäischen Wettbewerb gewonnen. Juventus scheiterte in den letzten Jahren an vermeintlich „kleineren Vereinen“ wie Porto, Lyon und Ajax Amsterdam in der Champions League. AC- und Inter Mailand haben es auch schon länger schwer, an die goldenen 00er-Jahre sportlich anzustoßen. Inter belegte den vierten Platz der Gruppe B dieses Jahr, hinter Donezk, Gladbach und Real Madrid. AC Mailand ist seit 2014 nicht mehr in der Champions League vertreten.

 Uns ist bewusst, dass diese Argumente eher zynisch klingen, aber mal ehrlich, ist es nicht ironisch, dass die Gründungsmitglieder eine erhebliche Erstzahlung erhalten, basierend auf einem „Klub-Koeffizient“, der anhand des Erfolgs der letzten 10 Jahre errechnet wird. Wenn man auf die Tradition der Vereine achten würde, dann würde man doch nicht an europäischen Giganten wie Ajax, Celtic oder Porto vorbeischauen können.

 Trotz des Initial-Schocks müssen sich jetzt schleunigst die Verbände und die benachteiligten Vereine konstruktiv mit den Befürwortern der ESL zusammensetzen und an Lösungen arbeiten, denn obwohl alle momentan den „Worst-Case“ ausmalen, wäre dies für keinerlei Partei wünschenswert.

 Wir sind gespannt, wie es die nächsten Wochen weiter gehen wird und hoffen auf etwas Entschleunigung! Des Weiteren werden wir die Community auf dem Laufenden halten, auch mit Blick auf das kommende Fifa 22.