eSport wird immer beliebter und professioneller. 2018 hat die DFL als erste große Liga des realen Fußballs eine eSport Liga ins Leben gerufen. Die Virtual Bundesliga Club Championship. Hier treten Gamer von Vereinen aus der 1. und 2. Bundesliga in Einzel- und Doppelspielen innerhalb einer Liga gegeneinander an. Einer von ihnen ist Justin Kampmeier. Der 17 Jahre alte FIFA Pro ist seit dieser Saison für den SC Paderborn in der VBL aktiv.

 Hallo Justin, seit Oktober 2020 bist du Teil der eSport Mannschaft des SC Paderborn. Wie hast du es zum professionellen eSportler geschafft?

Als ich gesehen habe, dass der SCP in den eSport einsteigt, war es natürlich mein Ziel, den SCP in der VBL zu vertreten, da ich auch eine Vergangenheit im realen Fußball beim SCP habe. Kurz darauf wurde ein Talentcup veranstaltet, wo ich sehr gut abgeschnitten habe und mich für das Offline Finale in der Benteler Arena qualifizieren konnte. Dort konnte ich letztendlich den zweiten Platz erreichen und wurde in den eSport Kader aufgenommen.

Du gehst für SC Paderborn in der Virtual Bundesliga an den Start. Nach 9 Spieltagen steht ihr mit 31 Punkten im unteren Teil der Tabelle. Wie zufrieden seit ihr mit dem bisherigen Saisonverlauf und was nehmt ihr euch in der Saison noch vor?

Ich glaube, keiner hat damit gerechnet, dass wir nach 9 Spieltagen schon 31 Punkte haben, weswegen wir natürlich sehr zufrieden sind, wie es derzeit läuft. Für den weiteren Saisonverlauf nehmen wir uns natürlich vor, weiterhin so viele Punkte wie möglich zu holen. Am Ende der Saison schauen wir dann, wo wir stehen.

Neben der VBL ist besonders die Weekend League wichtig für dich. Um eine schlagkräftige Mannschaft auf den virtuell Rasen schicken zu können, investieren viele Gamer einige Hundert Euro in den FUT Modus. Mittlerweile haben aber auch einige FIFA-Pros bekannt gegeben, dass sie kein Geld mehr in den FUT-Modus investieren wollen. Wie stehst du dazu?

Um ehrlich zu sein, finde ich es gut, dass vermehrt mehrere Pros kein Geld mehr in den FUT-Modus investieren. Es kann einfach nicht sein, dass in einem eSport Spiel derjenige, der mehr Geld investiert, Vorteile bzw. eine größere Chance hat, das Spiel zu gewinnen.

Wie viel Stunden am Tag trainierst du an der Konsole?

Bei mir sieht jede Woche eigentlich gleich aus mit dem Training. Am Montag trainiere ich meistens 3-4 Stunden, da am nächsten Tag der VBL Spieltag ist. Am Dienstag ist dann VBL. Den Mittwoch und Donnerstag nutze ich immer als Pause und von Freitag-Sonntag ist dann wieder die Weekend League. Dazu kommen natürlich noch Trainingstage zusammen mit dem SCP-Team, welche meistens 2- 3 mal in der Woche für ca. 3 Stunden stattfinden.

eSport beansprucht vor allem die Konzentration. Trainierst du auch Sachen abseits der Konsole, um dein FIFA Spiel zu verbessern?

Nein, ich trainiere nebenbei nicht, um meine Konzentration zu verbessern, da ich generell ein Mensch bin, der sich sehr lange auf eine Sache fokussieren kann, ohne einen sichtbaren Leistungsfall zu erkennen.

Eine Karriere im Fußball ist normalerweise mit Mitte 30 vorbei. Hast Du Dir schon überlegt, wie lange Deine Karriere als professioneller E-Sportler gehen soll?

Überlegt habe ich mir das noch nicht, da ich erstmal mein Fachabi fertig machen will, was bei mir auch klar im Vordergrund steht. Aber mein Ziel ist es natürlich so lange weiter machen zu können, wie es geht.

Jedes FIFA Game ist etwas anders. Wo siehst du die Stärken von FIFA 21 und wo siehst du noch Verbesserungspotenzial für FIFA 22?

Die Stärken von Fifa 21 liegen klar in der Offensive, da es mehrere Alternativen gibt, einen tief stehenden Gegner auszuspielen, was in Fifa 20 leider nicht der Fall war. Zu Fifa 22 müssen die Server besser werden, jedoch habe ich mit den NextGen-Konsolen ein gutes Gefühl, dass es dahingehend besser laufen wird.

Bei einigen hat eSport ein sehr negatives Image. Viele Behaupten, das eSport kein richtiger Sport sei oder dass eSportler süchtig sind und den ganzen Tag nur mit Fast Food und Softdrinks vor der Konsole sitzen. Triffst du oft auf solche Meinungen und was entgegnest du diesen Leuten?

Wenn ich ehrlich bin, wurde ich bis jetzt noch nicht mit einer derartigen Meinung konfrontiert. Ich kann aber sagen, dass eSport viel mehr als „nur“ Zocken ist.

Der reale Sport leidet gerade massiv unter der Corona Pandemie. Wie sehr hat die neue Situation euren Alltag im eSport verändert?

Wir haben natürlich das Glück, dass der eSport vor allem online stattfindet, sodass wir, wenn kein Präsenztraining ausgerichtet werden konnte, direkt auf ein Online Training wechseln konnten. Zusammenfassend würde ich sagen, dass die neue Situation gar nicht so viel verändert hat.

Kannst du zum Abschuss unseren Lesern noch einen Tipp geben, wie sie ihre „FIFA“-Skills verbessern können?

Was mir immer sehr hilft, ist es sein eigenes Spiel aufzunehmen und dieses zu analysieren. Zusätzlich würde ich empfehlen, immer gegen bessere Gegner zu spielen und auch viele Streams oder Videos von Pros zu schauen und zu verinnerlichen.