Der SC Paderborn 07 ist nach dem 6:2 gegen Rot Weiss Ahlen nun Vizemeister der ProLeague Championship. Gleich in der ersten Saison also mischten die Ostwestfalen die Liga unerwartet auf. Unerwartet daher, weil in der Umfrage vor Saisonbeginn wirklich niemand den Liga-Neuling auch nur für eine Platzierung im Spitzensextett der Liga auf dem Schirm hatte. Doch mit einer überragenden Offensive und 104 erzielten Treffer wirbelte man die Liga auf. Wer den SC Paderborn 07 im analogen Fußball in den letzten Jahren – insbesondere unter Trainer Steffen Baumgart – verfolgt hat, der weiß, dass auch dort Offensivspektakel statt Mauerfußball geboten wird. Dies in den Pro Clubs Modus zu transportieren war dann auch der Plan für das Debüt in der ProLeague Championship.

Leistungszentrum als Schlüssel

Dass man in Paderborn das Ganze nicht nur als Eintagsfliege sehen möchte, zeigen auch die geschaffenen Rahmenbedingungen. Denn der SCP hat eine Kooperation mit dem Paderborn E-Sports e.V. abgeschlossen und im Technologiepark ein eigenes Leistungszentrum bezogen. Dort gibt es verschiedene und exzellent ausgestattete Gaming-Räum, eine Streaming Raum sowie einen Konferenzraum. Auch eine Fitnessfläche und eine Küche stehen zur Verfügung. Damit soll das Ganze als Begegnungsstätte, für alle eSport interessierten Menschen aus dem Umkreis dienen. „Wir wollen Hub für lokale Sportvereine im Bereich eSport sein. Bei uns wären auch weitere Fußballvereine aus dem Breitensport willkommen, die Kooperation mit dem SC Paderborn 07 ist nicht exklusiv.“, so Jürgen Janke von Paderborn E-Sports. Weiterhin fügt er an: „Es ist vom Grundprinzip egal in welchen Ligen die Teams spielen, wichtig ist für uns, dass wir eine Grundstruktur gebaut haben und diese pflegen. Dies soll den jeweiligen Teams ermöglichen, sich bestmöglich auf ihr Spiel zu konzentrieren. Zu dieser Struktur gehört dann auch, dass wir das Ganze professionell aufgebaut haben. Einfach um den Tacken mehr machen zu können, als Vereine, die das nicht bieten können.“ Wie sehr sich dies schon ausgezahlt hat, sieht man anhand des Pro Clubs Team des SC Paderborn 07.

Mit punktuellen Verstärkungen zum Erfolg

„Es wäre cool, wenn wir am Ende Rang neun erreichen!“ lautete das Credo vor der Spielzeit von Niklas Rußkamp, Vereinsmanager des SC Paderborn 07 Pro Clubs Teams. Dass diese Marschroute nun um satte sieben Plätze verbessert wurde, liegt neben dem Leistungszentrum auch an weiteren Faktoren innerhalb der Mannschaft. Vom Verein aus gab es, wie auch Jürgen Janke betonte, keine Zielsetzungen. „Es hat sich einfach eine Dynamik entwickelt, inklusive einer neuen Taktik, die wir in der Vorbereitung auf die Saison eingebaut haben.“ Vom 3-1-4-2 wurde auf eine 3-5-2 Taktik umgestellt. Während man zunächst mit zwei „Achtern“ agierte, wurde schnell klar, dass das System einen klassischen Spielmacher benötigt. Dieser wurde mit Berti1887_ als fehlendes Puzzleteil für das Gesamtkonstrukt gefunden. Zudem kam schon bereits im August Juffzge88 auch zum SC Paderborn 07. Nach einer Übergangsphase in Team 2 erwies sich der Sechser als unverzichtbar und absolvierte in der Saison jedes Spiel.

Vollste Zufriedenheit

„Sowohl sportlich als auch menschlich bin ich 10/10 zufrieden mit der Saison und der Mannschaft!“ erklärt Rußkamp im Gespräch mit esport-manager.com und erklärt dies auch im weiteren Verlauf: „Wir haben einen großen Kader, da ist ein gesunder Mix aus regionalen Spielern dabei, aber auch Spielern, die leistungsbezogen spielen wollen.“ Um auch das volle Potential des Leistungszentrums auszunutzen, gab es im Saisonverlauf diverse Taktikbesprechungen und Videoanalysen, um sich stetig zu steigern. Dadurch ergab sich eine eingespielte Elf, die insbesondere in der Rückrunde groß auftrumpfte und durch konstante Leistungen den Erfolg als Vizemeister verbuchen konnte.

Ostwestfalen-Dominanz in der ProLeague Championship

Am letzten Spieltag knackte der geographische Nachbar SC Verl die 100-Punkte-Marke. Mit elf Punkten lag der SC Paderborn 07 dahinter, satte 91 Punkte aus 38 Spielen standen am Ende zu Buche. Bei einem Punkteschnitt von 2,39 in der ersten Saison ist dies in der Debütsaison auf jeden Fall sehr respektabel. Wenn diese Entwicklung so weitergeht, wird auch der amtierende Meister die Blickrichtung ins nahegelegene Paderborn richten. Denn während man den SCP im Hinspiel noch deutlich mit 4:0 besiegte, musste man sich im Rückspiel beim 2:1-Sieg schon weiter strecken. Die Rahmenbedingungen sind gegeben, der erste sportliche Erfolg ist da. Man darf gespannt sein, was die Paderborner in der nächsten Championship-Saison auf die Beine stellen werden. Mit Sicherheit wieder viele Tore und Spektakel – und wer weiß? Vielleicht schafft der SC Paderborn 07 es dann auch die alte Weisheit aus dem analogen Fußball zu widerlegen, dass der Angriff die Spiele gewinnt, aber die Abwehr Meisterschaften.