Der Pro Clubs Modus der beliebten Fußballsimulation FIFA erfreut sich immer größerer Beliebtheit, dennoch stößt er mit den gegebenen Strukturen „langsam an seine Grenzen“. Im Interview mit dem esport-manager teilen Kai Anderski von der VPG Deutschland, sowie Marcel Fitzek und Jens Schablack von der ProLeague ihre Meinungen rund um die Themen digitaler Fußball und die Zukunft des Pro Clubs.

 Die Interviewgäste

Kai Anderski ist verantwortlich für die VPG Deutschland. Was ursprünglich nur ein kleiner Gefallen für einen Bekannten sein sollte, nimmt nun 5–6 Stunden Zeit am Tag in Anspruch und das ausschließlich ehrenamtlich. Kai hat ein Team von 29 weiteren Admins um sich, welches ihm viel Arbeit abnimmt bei der Betreuung der mittlerweile 176 Teams großen VPG Community, im reinen 11v11 Modus. Kai macht die Arbeit sehr viel Spaß, er sieht sich jedoch selber nicht als „Oberchef“, sondern versucht der mittlerweile 20,000 Mann starken Community entgegenzukommen und auf deren Wünsche einzugehen. Der 28-Jährige ist selbst passionierter Pro Clubs Spieler und Manager der Insane Heads. Auf dem virtuellen Rasen der PS4 fühlt er sich im Zentrum der Defensive am wohlsten. Kai ist zudem „brennender“ Schalke 04 Fan.

Marcel Fitzek ist seit ca. 10 Jahren Admin der ProLeague. Fitzo, wie er in der Community bekannt ist, hatte vor einigen Jahren, zusammen mit einem kleinen Team die ProLeague Plattform von seinen Vorgängern übernommen da diesen die Zeit fehlte die Plattform zu betreiben. Wie er selbst sagt, ist das große Ziel immer den Modus, den man so liebt voran zu treiben. Der Kölsche-Jung hat seine Liebe zum Fußball auch tatsächlich erst über den digitalen Fußball gefunden und ist nicht schon als „kleiner Stöps“ damit aufgewachsen. Auch Marcel ist leidenschaftlicher Pro Clubs Spieler und bekleidet die LM Position bei Equality auf dem PC.

Jens Schablack ist auch Admin der ProLeague, wobei er ausschließlich den PS4 Bereich betreut. Schabbi, wie ihn die meisten Leute nennen, vergleicht seine ehrenamtliche Tätigkeit bei der ProLeague immer gerne mit seinem Vater der Jahre lang Jugendarbeit im Verein leistete aus Leidenschaft und Überzeugung, statt irgendeinem Selbstnutzen. Der 35-Jährige ist selber Familienvater und stammt aus der Nähe von Hannover. Auch er ist natürlich begeisterter Pro Clubs Spieler und repräsentiert dabei das Team SV BE Steimbke eFootball. Angefangen hat er als ZOM doch gesteht sich selber ein, dass mit dem Alter die Reaktionen nachlassen. Nun stellt er sich in den Dienst der Mannschaft, in dem er jegliche Positionslücken füllt und dort spielt wo, man ihn braucht, meistens als Außenverteidiger oder ZDM.

 Das Interview im Überblick

Der Interviewer Patrick Baur (Co-Founder der Doppelpass Digital) eröffnet das Interview mit Fragen welche die Motivation hinter dem Einstieg in den digitalen Fußball und vor allem den digitalen Mannschaftssport ermitteln. Bereits hier sind die Antworten sehr unterschiedlich. Kai stellt gleich zu Beginn fest, dass wenn man nicht in der Szene ist, ein Einstieg schwer zu schildern sei. Dennoch sagt er, dass die Motivation in der Intensität der Gemeinschaft liegt. Er ist der Meinung, dass man im digitalen Fußball mehr Zeit miteinander verbringt und macht dies an Beispielen wie einem höheren Trainingspensum (4-mal die Woche) und enger getakteten Spieltagen fest.

Schabbi führt seinen Einstieg über den realen Fußball zurück. Er musste bereits in der A-Jugend verletzungsbedingt mit dem Fußball abrechnen und fand über den digitalen Fußball seine Leidenschaft für den Fußball wieder, wo er diese auch ausleben kann. Fitzo schwimmt dagegen etwas gegen den Strom. Er hat nie im Verein Fußball gespielt und entdeckte den digitalen Fußball „über das zocken“.

Auch die Liebe zum Mannschaftssport sickert sehr schnell durch. Fitzo, der eigentlich aus dem Einzelsport kommt, erläutert mit leuchtenden Augen, anhand einer Anekdote seine Passion für den Teamsport. „Ich habe Abende wo ich auch mal in die Weekend League reingehe und mich danach Frage warum? Warum nutz ich nicht einfach die Zeit und spiele Pro Clubs, weil es einem einfach viel mehr gibt! Man ist unter Leuten, man hat Interaktion, man nimmt den Fußball wirklich so war, wie er ist.“.

Ergänzend meldet sich Schabbi zu Wort, aus dem die Liebe zum Fußball förmlich raussprudelt; „Deshalb Mannschaftssport, weil man die Anweisung vom Trainer hört, weil man vorher die Taktikbesprechung gemacht hat… und wenn der Ton dann auch mal rauer wird, wie man es vom realen Fußball kennt, und kurze, knappe Ansagen kommen, die dann auch umgesetzt werden das ist das was einen ausmacht und auch ‚pushed‘ auf dem Feld.“

 Auch Kai schließt sich den Kommentaren seiner Kollegen an und fasst das Ganze mit dem Satz; „Es ist der Ehrgeiz den man als Team entwickelt, sportlich erfolgreich zu sein.“ Zusammen.

 Nachdem die Motivation und die Leidenschaft der Gäste dargelegt wurde, bittet Patrick seine Gäste einen Schritt zurückzunehmen und den digitalen Mannschaftssport vorzustellen. Was ist digitaler Mannschaftssport überhaupt?

 Fitzo stellt klar, dass es kein Mannschaftssport im klassischen Sinne ist, wo jedermann am gleichen Ort anwesend ist. Des Weiteren sagt er, dass man sich auch nicht über eine Kamera sieht, sondern lediglich über Kopfhörer verbunden ist. Er sagt; „Man ist zwar einzeln und gesondert für sich aber man spielt mit seinem Team zusammen. Das macht es aus. Die gegenseitige Unterstützung. Man frisst den Frust nicht in sich rein, sondern agiert als Team.“

Ferner weist Fitzo auch Vorurteile über das Gameplay ab. Vorstellung des Chaos‘ auf dem Feld und einer mangelnden Struktur belächelt er und stellt klar, dass es im Grunde keine Unterschiede zu dem 1v1 Modus gibt, in dem die Positionstreue gegeben ist.

Nach dem gezogenen Vergleich zu dem 1v1 Modus, hakt hier Patrick nochmal nach. „Im 1v1 können einzelne Spieler sehr schnell, sehr stark werden, sodass man mit seinen eigenen Fähigkeiten nicht mehr mithalten kann, während es im digitalen Mannschaftssport andere Möglichkeiten gibt mitzuhalten, weil es eben auf ganz andere Tugenden ankommt…?“

Dies unterstreicht Kai. Er sagt; „Du hast deine Position, deinen bestimmten Bereich z.B. wenn du IV bist musst du deine Stärken in der Defensive haben. Stellungsspiel, Zweikampfverhalten, Aufbauspiel etc. Daher kommt es nicht nur auf deine Skills an, sondern eher wie gut du deine Position spielen kannst und die Eigenschaften deiner Position ausleben kannst.“

Digitaler Fußball ist eben Fußball. Echt. Digital.

„Reichweite gewinnen durch Uniformität“

Immer wieder bekommt man die Leidenschaft für den digitalen Fußball der drei Gäste zu spüren. Man merkt ihnen durchgehend an, dass die Bereitschaft den Pro Clubs-Bereich weiterzuentwickeln keine Grenzen hat. Deshalb, stellt sich auch die Frage welche Ziele und Wünsche die Drei für die Zukunft des Pro Clubs haben.

Obwohl die Drei verschiedene Wettbewerbe repräsentieren, sind sich alle drei über die zukünftigen Strukturen des digitalen Fußballs in Deutschland einig. Reichweite gewinnen durch Uniformität.

Kai ist der Meinung, dass es für den deutschen Bereich wichtig sein wird zukünftig nur eine Liga zu anzubieten, worauf die Teams sich fokussieren können. Des Weiteren fordert er einen respektvollen Umgang. „Wenn du es schaffst eine Liga zu formen, wo respektvoller Umgang an den Tag gelegt wird, dann bist du in Deutschland schon so weit, dass du sehr viel schaffen kannst, sehr viel Reichweite aufbringen kannst und vor allem auch von Leuten, die nicht in der Community sind, sehr viel Respekt erntest für das, was du leistest.“ Auch den Beitritt von offiziellen Vereinen fordert Kai. Er spricht über die Türkei und England wo es schon Ligen gibt, die ausschließlich aus Vereinen wie Galatasaray, Fenerbahçe und Beşiktaş etc. bestehen. „Das sollte langfristig auch der Weg sein, wo Deutschland hin muss, aber dann mit gebündelter Kraft“

Mit Blick auf die Ist und Soll-Stände der Pro Clubs Szene führt er fort; „Wenn wir so weiter machen wie jetzt dann ist der Pro Clubs am Limit angekommen. Wenn wir es aber schaffen langfristig zusammenzuarbeiten, wenn jeder sein eigenes Ego zurücksteckt, auch in den Ligen-Leitungen und dort eine gute Zusammenarbeit stattfindet, dann ist der deutsche Pro Clubs Modus noch lange nicht am Ziel angekommen.“

Aussagen wie diese, machen nochmal deutlich wie sehr sich Kai den Erfolg des Pro Clubs herbeisehnt und wohin die Reise noch führen kann und soll.

Auch Fitzo schließt sich diesen Worten an. Ergänzend sagt er „Wir müssen eine Einheit bilden. Ohne einheitlich zu agieren, können wir die Grenze nicht durchstoßen, an der wir momentan sind“  

Außerdem gibt er auch seine Traumvorstellung Preis. Mit einem kleinen schmunzeln im Gesicht sagt er; „Die Traumwelt ist im Endeffekt, dass man irgendwann da ist, wo es auch den Lewandowski des Pro Clubs gibt und das man irgendwann wirklich ein Zwilling der Bundesliga ist.“ Er selber ist sich natürlich bewusst, dass diese Welt noch weit weg ist, dennoch merkt man ihm auch hier die Entschlossenheit an.

Auch Schabbi hat eine klare Vorstellung was die Zukunft des Pro Clubs betrifft. „Wenn man vom Traum spricht, ist es definitiv so das man einen Profibereich haben möchte und darunter den Amateurbereich staffelt. Der Traum ist es eine 1., 2. Und 3. Liga zu haben und die Teams, welche dort oben im realen Fußball vertreten sind auch im Pro Clubs Modus zu sehen.“

Der letzte, aber zeitgleich der vielleicht wichtigste Punkt ist das Verringern der Spieltage auf einen festen Spieltag. Auch das sieht Schabbi so; „Der wichtigste Punkt ist das man sich auf einen Ligaspieltag fokussiert“.

Zum Abschluss fragt Patrick seine Gäste, warum die Zuhörer*innen die Entscheidung treffen sollten in den digitalen Fußball zu starten und gemeinsam mit einem Team loszulegen und bittet jeden einen abschließenden Satz zu verfassen.

Marcel Fitzek; „Jetzt ist die Zeit, den nächsten Schritt zu machen, anzupacken und dem Pro Clubs Modus endlich das zu geben, was er verdient hat. Für diejenigen bei den das Interesse geweckt ist, macht es auf jeden Fall es wird euch so viel geben! Ihr werdet viele neue Leute kennenlernen, viele tolle Erlebnisse haben und ihr werdet viele Emotionen erleben!“

Kai Anderski; „Pro Clubs bedeutet neue Leute, neue Kameradschaften die sich ins reale Leben übertragen lassen!“

Jens Schablack; „Freundschaften fürs Leben kennenlernen! Wenn du’s nur in der Kreisliga C geschafft hast, dann schaffst du es ja vielleicht im digitalen Sport in die zweite Liga oder in die erste Liga. Also auf!“

Wir bedanken uns nochmal ausdrücklich bei Kai, Fitzo und Schabbi! Es war eine äußerst spannende und Einblick reiche Diskussion, bei der sich alle drei entschlossen aber vor allem einheitlich auf die Zukunft fokussiert geäußert haben. Wir sind der Meinung, dass der digitale Fußball nicht in besseren Händen sein könnte!

 

Das komplette Interview: